Teilnehmerbericht aus Lütjenburg / 06 2019

Wir waren mal wieder zum Roots-Seminar von CreaCanis. Aliki, Gaby, Vanessa und Martina haben aus dem tiefen Süden den Weg ins nördlichste Bundesland gefunden und sind dieses Mal beim Hundeverein in Lütjenburg zu Gast. Vier Trainerinnen, zwanzig Hunde, 21 Teilnehmer. An Pfingsten stehen wir um sechs Uhr auf, es folgt ein kurzer Spaziergang und ein schmales Frühstück für den Hund und los geht`s. Diesmal darf ich aktiv sein und mein Mann guckt zu. Die Hoviline darf immer.

Wir fahren nur eine halbe Autostunde und parken am schattigen Wäldchen. Es geht- nachdem die Hunde den Platz kennen lernen durften- los mit den Basics. Markerwort? Einige Teilnehmer sind skeptisch, haben einen Klicker, der funktioniert toll, ich kann meinen Hund auch so loben, fein gemacht, super, supie, jawoll, die Maus! Stimmt. Kann ich. Auch nach dem punktgenauen Markerwort darf ich mit meinem Hund sprechen und ihn loben. Nachdem wir gelernt haben, dass der Klicker das Suchtzentrum des Hundegehirns anspricht, beschließe ich, dass meine Hündin gerne süchtig werden darf nach meinem Markerwort und meiner Stimme.

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Die nächsten Tage werde ich mich noch verheddern in alt bekanntem und neuem Vokabular, aber immer mehr setzt sich das „Jip!“ der Trainerinnen auf dem Platz durch. Nächstes Basic ist die freiwillige Aufmerksamkeit. Wohlgemerkt: Die des Hundes. Uns wird das Winken mit dem Ball, dem Leckerli abgewöhnt, das Betteln und Bestechen verboten. In kurzer Zeit dreht sich das Blatt, die Hunde schauen auf ihre Hundeführer und dann, ja dann geht der Spaß los. Aufmerksamkeit lohnt sich. Nachdem dann noch der Magnet erklärt ist, werden Aliki und ihr Team ansprüchlich: Jetzt will sie keinen Hund mehr sehen, der Herrli oder Frauli auf und über den Platz zerrt. Ja, da schau her, so schnell geht das, als hätte sie an der Wunderlampe gerieben, es funktioniert. Bei allen. Die nächsten Tage pendeln wir zwischen Aktivierung und Ruhe rein bringen, Sicherheit.

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Vorwärts spielen, das freiwillige Aus geben, sicherer Rückruf, Apportieren, Target-Training, eindeutige Körpersprache, all das sind Grundlagen für Alltag und Hundesport. Und alle werden wir besser, die Hunde ruhiger (oder wacher, ganz nach Wunsch), aufmerksamer. Vier Teams trainieren parallel und keiner der Hunde hat Zeit zu gucken, was der Kumpel nebenan so treibt. Die Hundeführer haben Jux, und auch manch anfänglicher Skeptiker jippt und krabbelt mit dem Hund, der nicht spielen will und „noch nie“ spielen wollte, zergelnd über die Wiese. Man ersteht Beißwürste aus Plüsch für die gestandenen Hovawartkerle und zarten Mix-Hündinnen, der ältere Briard steigert das Tempo beim Jagdspiel. Und ich muss lernen, bei meiner vor Begeisterung närrischen Hoviline die Hand ruhig zu halten, damit sie nur die Beißwurst erwischt. „Langsam spielen“, sagt Aliki, „du bestimmst das Tempo“.

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Nach drei Tagen sind wir alle Sonnen verbrannt, durchgeschwitzt, müde, rund gefressen von der leckeren Verpflegung, haben glückliche und entspannte Hunde neben uns, liegen auf der Wiese und genießen. Viel zu selten liegt man mit seinem Hund auf dem Hundeplatz.

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Schon wieder „nur“ ein Basis-Seminar? Ja. Wiederholen gehört zum Lernen und beim zweiten Mal ergeben sich wieder neue Aspekte. Es macht Spaß, so ein Kurzurlaub mit Hund, auch an allen folgenden Tagen: Die Hoviline ist wahrscheinlich der am besten erzogene Hund im Ort, vielleicht sogar in der Großgemeinde. Und wir können fast überall trainieren, spielen. Die autoleere Straße runter, die Promenade entlang, am Strand. Grad heute Morgen sind wir wieder von einer freilaufenden Pöblerin angegangen worden: „Sani! Sani?!“. Man kennt ja immer die Namen der Hunde, die man nicht wieder treffen möchte… Meine Hoviline konzentriert sich auf mich und wir lassen die kleine Zecke stehen, und wenn sie näher kommt, dann schalte ich mich ein: „GRRRR!“

Wenn am Hundeplatz mal alle aus dem Auto steigen können ohne Schnappatmung und Reizüberflutung, ohne „Sitz-sitz-sitz!“ und „Bleib-bleib-bleib“, ohne beschwörende Handbewegung mit der Leberwursttube, und der sichere Rückruf klappt, obwohl der nächste Hund den Platz zum Üben betritt, dann reden wir weiter: „Jip“!

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Ein Kommentar zu „Teilnehmerbericht aus Lütjenburg / 06 2019

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  1. Wunderbar. So haben wir es auch erlebt. Nicht in diesem Jahr aber im letzten und vielen davor und nächstes Jahr werden wir sicher auch wieder zu Wiederholungstätern, ein faszinierendes Konzept für das Leben mit Hund(en).

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